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In der Kampfkunst Karate hat sich eine große Anzahl von Stilen herausgebildet. Prinzipiell kann man zwischen Stilen unterscheiden, die auf eine möglichst große Anzahl von Mitgliedern aus sind und länderübergreifend organisiert sind und denjenigen, die noch ursprünglich in kleinen Schulen im Stammland arbeiten.

Ehemals gab es drei große Karateschulen auf Okinawa, dem Herkunftsort des Karate … naha te, shuri te und tomari te, benannt nach den Dörfern, aus denen sie stammten. Aus diesen drei Schulen entwickelten sich im Wesentlichen die heute existenten Stilarten.

 

Einer der wichtigsten Vertreter des naha te war der dort geborene Kanryo Higashionna (1853-1916). Nach seiner Rückkehr von einem langjährigen Aufenthalt in China eröffnete er ein eigenes Dojo und unterrichtete seinen Kampfstil shorei ryu, allgemein nach seinem Herkunftsort als naha te bezeichnet. Elemente des chinesischen chu´an fa und kempo flossen zusammen mit dem okinawaischen tode in seinen Kampfstil ein.

 

Wichtig für das shuri te war Itosu (Anko) Yatsutsune (1830-1915). Er erlernte als Sohn eines Samurai unter Matsumura (Bushi) Sokon (1796-1893) das shuri te. Itosu war Privatsekretär des Königs von Okinawa, verlor aber seinen Rang, als die japanische Meiji-Regierung die Hoheit auf Okinawa übernahm. Danach unterrichtete er sein Karate öffentlich auch an den Schulen des Landes. Er gilt als Entwickler der fünf Heian (Pinan)- Kata, denen er jedoch den ursprünglichen kriegerischen Aspekt weitestgehend nahm.

 

Für das tomari te war der aus Tomari stammende Matsumora Kosako (1829-1898) wesentlich. Auch Matsumora erlernte die Kampfkunst aus China, angeblich durch den chinesischen Schiffbrüchigen Anan, der als Einsiedler in einer Höhle im Norden von Tomari lebte und den er zusammen mit seinen Freunden beim Training begleiten durfte. Darüber hinaus studierte er noch unter mehreren anderen Lehrern.

 

In Europa sind im Wesentlichen vier Stilrichtungen vertreten ... Shotokan, Goju Ryu, Wado Ryu und Shito Ryu. Nachfolgend einige Stile und ihre Gründer im Kurzabriss.

 

 

 

 
 
   

   

Goju Kai - Yamaguchi, Gogen (1909-1989)

 

Yamaguchi Gogen wurde 1932 Schüler von Miyagi Chojun, nachdem er zuvor neben Judo und Kendo bereits bei anderen Meistern Karate gelernt hatte. Zwischen 1935 und 1937 begleitete er seinen Lehrer nach Okinawa, woraufhin Miyagi ihn zu seinem Repräsentanten für Japan ernannte. Yamaguchi gründete eine eigene Organisation, das Karate-Do Goju-kai. Yamaguchi Gogen (auch genannt „die Katze“), wird heute für viele als der offizielle Nachfolger Miyagis in Japan betrachtet, obwohl es dort inzwischen verschiedene Goju Ryu Strömungen gibt.

 

Goju Ryu 剛柔流 - Miyagi, Chojun (1885-1953) 

 

Goju Ryu, bedeutet übersetzt hart-weich-Stil. Ein harter Angriff wird weich abgewehrt (bzw. weiter geleitet), um dann selbst (hart) zu kontern. Als Begründer des Stils gilt Miyagi Chojun.

1929 gab Miyagi in Japan eine Demonstration seiner Kampfkunst, die einen derartigen Anklang fand, dass er - wie auch Funakoshi Gichin - vorerst auf den japanischen Hauptinseln blieb, um dort zu unterrichten. Goju Ryu wurde 1933 formell in die Listen des Butokukai in Japan eingetragen, kurz darauf entstand die Begrifflichkeit des Karate-Do (Weg der leeren Hand). Die Ausformung des Stiles Goju Ryu war jedoch erst 1940 vollständig abgeschlossen. Miyagis wichtigster Schüler in Japan war Yamaguchi Gogen.

 

Kyokushin  Kai - Oyama, Masutatsu (1923-1994)

 

Der Begründr des Kyokushin Kai-Stils ist der Koreaner Oyama Masutatsu (Choi Hyung Yee). Sein Stil entwickelte einen Ruf als harte, intensive und praxisorientierte Kampfschule, die 1957 offiziell den Namen Kyokushin erhielt.

Er galt immer als "extrovertierter" Vertreter des Karate, der es gut verstand, sich und seinen Stil international zu vermarkten. So ranken sich um seine Person bis zum heutigen Tag viele Legenden, wie beispielsweise seine Kämpfe gegen Stiere oder sein angeblich mehrjähriges Training in den japanischen Bergen.

 

Shito Ryu 糸東流 - Mabuni, Kenwa (1889-1952) 

 

Der Stil Shito Ryu ist im Wesentlichen eine Kombination der ursprünglichen Stile Shorin Ryu und Shorei Ryu aus Okinawa. Die Bezeichnung Shito leitet sich von den Initialen der Hauptlehrer von Mabuni Kenwa ab. Derjenigen von Meister Itosu aus Shuri (Shi = Ito von Itosu) und von Meister Higashionna aus Naha (to = Higa von Higashionna). Von Itosu wurden die langen Stellungen, die Schnelligkeit im linearen Angriff und die physische Kraft übernommen, von Higashionna die runden Techniken, das seitliche Ausweichen in den Angriff, der dynamische Wechsel von hohen und tiefen Stellungen und die Bedeutung der Atemtechniken. Shito-Ryu ist eine schnelle, kraftvolle und artistische Stilart, die vom Wechsel von hart und weich lebt.

 

Shorin Ryu 少林流 - Itosu, Yasutsune (1830-1915) 

 

Shorin Ryu, eine der großen Okinawa-Stilarten wird auch mit Shaolin-Stil übersetzt, was auf der starken Prägung durch chinesische Elemente beruht. Es kennt beide Ausprägungen, also hart und weich und verwendet im Wechsel sowohl hohe, als auch sehr niedere Stände.

Die in Europa maßgebliche Richtung Shotokan ist aus dem Shorin Ryu heraus entstanden, hat sich jedoch inhaltlich weit davon entfernt.

 

Shotokai - Egami, Shigeru (1912-1981) 

 

Egami Shigeru begann im Alter von 20 Jahren unter Funakoshi mit dem Karate, nachdem er zuvor Judo gelernt hatte. Er war einer der Anhänger des Karate von Funakoshi Yoshitaka, dem Sohn von Meister Funakoshi und Wegbereiter vieler neuer Ideen im Karate. Da Egami immer streng an den philosophischen Grundkonzepten des Shotokan festhielt, wurde er von Meister Funakoshi als Hauptübungsleiter eingesetzt.

Etwa 1955 gründete er das Shotokai Ryu und veränderte stark seine Karate-Grundlagen hin zu Einflüssen des Aikido und mystizistischen Tendenzen.

 

Shotokan 松濤館 - Funakoshi, Gichin (1869-1957)

 

Funakoshi Gichin brachte in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts die im engen Kreis trainierte Kampfkunst von Okinawa nach Japan und gilt daher als Begründer des modernen Karatedo, das Karate nicht nur als Selbstverteidigung, sondern auch als Werkzeug zur Vervollkommnung von Körper und Geist sieht.

Er erlernte die Kampfkunst unter den Meistern Azato Yasutsune und Itosu Yasutsune, zwei der wichtigsten Vertreter des Karate der damaligen Zeit. Der als friedfertig bekannte Funakoshi war Hauptschullehrer, später neben seiner Profession als Karatelehrer auch Hausmeister, Gärtner und Putzmann. Der Name seines Stiles Shotokan entstand aus seinem Künstlernamen Shoto (Pinienrauschen).

 

Uechi Ryu - Uechi, Kanbun (1877-1948)

 

Uechi Kanbun ist der Begründer des Karatestils Uechi Ryu Karate Do. Er studierte in China zehn Jahre lang das chinesische Kampfsystem Pangai-Noon und eröffnete eine eigene Schule, in der er drei Jahre erfolgreich unterrichtete, bevor er aufgrund eines tragischen Zwischenfalls mit einem seiner Schüler nach Okinawa zurückkehren musste.
Als Uechi Kanbun 1948 starb, benannten seine Schüler den Karatestil in Uechi Ryu Karate Do um.

 

Wado Ryu 和道流 - Otsuka, Hironori (1892-1982)

 

Der Stil Wado Ryu wurde von Otsuka Hinori begründet. Er war Schüler von Funakoshi Gichin, den er etwa 1922 bei der Vorstellung seiner Kampfkunst traf. Hironori Otsuka war zu diesem Zeitpunkt schon Meister im Yoshinryu Jiu-Jitsu Kempo. Durch die Verbindung dieser unterschiedlichen Arten entstand das Wado Ryu.

Während im Shotokan die Kata das Zentrum darstellt, ist sie im Wado Ryu eine von vielen Formen der Partnerübung, wie beispielsweise Kihon Kumite, Idori (Bodenkampf) und Tanto Tori (Messerkampf). Wado Ryu legt großen Wert auf die Kunst des Ausweichens und Mitführens des gegnerischen Angriffs, vergleichbar dem Aikido.

   

 

 

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