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Eskalationsstufen
Prinzipiell können mindestens 5 Stufen der
Eskalation und zugehörig 5 sinnvolle Reaktionsweisen
unterschieden werden:
1. Stufe - Ein Streit/ Konflikt bahnt sich an
Bereits bevor der eigentliche Streit/ Konflikt
ausbricht, gibt es erkennbare Anzeichen. Der
potentielle Angreifer sondiert die Lage, d. h. das
vermeintliche Opfer wird begutachtet und
eingeschätzt, damit die Erfolgsaussichten möglichst
gut sind. Ein wesentlicher Teil dieser Sondierung
erfolgt beim Angreifer unterbewusst, indem
Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Bewegung und
direktes Umfeld des Opfers instinktiv erfasst
werden.
Lösung
Ein gutes Opfer strahlt für den Angreifer leicht
erkennbar Schwäche aus.
Diese typische Opferhaltung
macht es einem Angreifer leicht, eine unbewusste
oder bewusste Entscheidung zum
Angriff zu treffen. Entsprechend macht es
Sinn, ein möglichst schlechtes
Opfer zu sein, sprich … durch erkennbare Signale dem
Angreifer zu Erkennen zu geben, dass es unter
Umständen keine sehr gute Idee ist, sich mit dieser
Person zu streiten. Solche Signale sind zum Beispiel
… aufrechte Körperhaltung
… ruhiger und verbindlicher Blick
… ruhige, nicht fahrige Bewegung
… Eindruck, dass man Übersicht über das direkte
Umfeld hat
2. Stufe - Ein Streit/ Konflikt bricht aus
Nicht immer ist es alleine die
Opferhaltung, die einen Übergriff hervorruft,
obwohl es wohl unbestritten sein dürfte, dass sie
sehr förderlich ist. Wenn sich der
Angreifer trotz einer
guten Ausstrahlung doch zu einem Übergriff
entschließt, wird dieser in der Regel ebenfalls
abgestuft vorgetragen. Es ist zwar nicht unmöglich,
aber doch sehr unüblich, dass ohne eine gewisse
Vorgeschichte und ohne Vorwarnung, dem Opfer der
"Schädel eingeschlagen" wird. Die Regel ist ein
stufenweiser Aufbau des direkten Konflikts, der
normalerweise mit einem
verbalen Angriff beginnt und in der
körperlichen Auseinandersetzung endet.
Lösung
Ein Opfer, das nicht anwesend ist, bietet dem
Angreifer keine
Möglichkeit zur Befriedigung. Einen kleinen,
normalerweise nur verbal ausgetragenen Konflikt kann
man beenden, indem man sich ohne Erklärung einfach
vom Austragungsort
entfernt, d. h. sich abwendet und weggeht. Bei einem
deutlich aggressiver vorgetragenen
Angriff genügt ein
einfaches Abwenden nicht mehr, hier empfiehlt es
sich, eine neue persönliche Bestleistung auf der
Kurzstrecke aufzustellen.
Nicht bei Jedem stößt diese
Flucht auf Zustimmung. Um einzusehen, dass es
sich hierbei um die beste Lösung des Problems
handelt, muss das erwählte Opfer über eine
entsprechende Einstellung verfügen. Die Flucht hat
nichts mit Schwäche zu tun, zumal gerade Personen,
die einen verbalen oder körperlichen Angriff
aufgrund ihrer Fähigkeiten überhaupt nicht zu
scheuen bräuchten, diese Lösung eindeutig vorziehen.
Die Mentalität eines Japaners kennt die typisch
westliche Konfliktbewältigung
durch aggressives "Contra geben" nicht. Eine
freundliche Behandlung des Konfliktes und eine
weiche Antwort sind hier die zentrale Haltung.
3. Stufe - Man kann sich nicht durch Flucht
entziehen
Manchmal genügt der Wille alleine nicht und es ist
nicht möglich (örtliche Gegebenheiten ?) den Ort des
Geschehens zu verlassen. Der Konflikt wird nun also
an das Opfer
herangetragen.
Lösung
Die offenen, leeren Hände zum
Angreifer gerichtet, stellt sich das Opfer
mit angewinkelten Armen dem Angreifer entgegen und
schreit so laut es geht „ … lassen sie mich in Ruhe
… “, „ … lass mich in Ruhe … “ oder „ ... geh weh
... “.
Es ist entscheidend, dass dies überraschend (=
sofort), äußerst bestimmt, sowie möglichst laut
geschieht. Durch die Lautstärke werden auch
umstehende Personen in den Konflikt mit einbezogen,
d. h. es besteht zumindest die theoretische
Möglichkeit, von dieser Seite Hilfe zu erhalten. Der
überraschende Ausbruch verursacht beim Angreifer
eine zeitlich begrenzte Unsicherheit, die das Opfer
für einen erneuten Fluchtversuch nutzen kann.
4. Stufe - Verbale Reaktionen helfen auch nicht
weiter. Es erfolgt der körperliche Angriff.
Auch wenn dies auf den ersten Blick seltsam
erscheinen mag: die reine Körperkraft ist nicht der
ausschlaggebende Faktor in der Einschätzung einer
Auseinandersetzung. Vielmehr ist das Wissen um
allgemeingültige Prinzipien und deren gezielte und
konzentrierte Umsetzung entscheidend.
Erfahrung im Umgang mit Konfliktsituationen ist
hilfreich, wenn nicht sogar Voraussetzung um einen
Übergriff unbeschadet zu überstehen. Fehlt diese
Erfahrung, ist es tatsächlich so, dass im Falle
einer Selbstverteidigung
Körperkraft gegen Körperkraft steht - und der
körperlich Überlegene gewinnt die
Auseinandersetzung. In der Regel ist natürlich der
Angreifer der körperlich überlegene, denn er wird
sich wohl kein Opfer aussuchen, bei dem er keine
Chance auf Befriedigung seiner Wünsche sieht.
Lösung
Der Angreifer versucht zu greifen oder schlägt/
tritt das Opfer. Der Angriff erfolgt nicht
zögerlich, sondern bestimmt und rasch, entsprechend
darf die Antwort ebenfalls nicht zögerlich kommen,
ansonsten der Angreifer mit seiner Aktion
erfolgreich sein wird.
Sich der Energie direkt entgegen zu stellen ist
nicht anzuraten, da der Angreifer zunächst einmal
sämtliche Vorteile auf seiner Seite hat. Die Energie
des Angriffs muss abgelenkt werden, besser noch, es
muss ihr ausgewichen werden. Die Lösung heißt also …
Ausweichen und/oder Umlenken.
5. Stufe - Ausweichen/ Umlenken bringt kein Ende >
Gegenangriff
Ein Angriff kann ein oder mehrere Male umgelenkt
werden, man kann dem Angreifer auch mehrere Male
ausweichen, der Konflikt lässt sich dadurch jedoch
nur selten beenden. Dieses Ausweichen/ Umlenken
lässt den Angreifer hilflos erscheinen und trägt
dafür Sorge, dass dieser in machen Fällen erst
richtig wütend wird. Gesucht ist also die
Möglichkeit, den Konflikt rasch zu beenden.
Lösung
Erst auf dieser Stufe des Konfliktes ist die
eigentliche Selbstverteidigung
mit einem beherzten Gegenangriff angebracht.
Entsprechend den gesetzlichen Richtlinien (siehe
folgende Ausschnitte) sind jedoch Grenzen gesetzt,
beispielsweise muss die
Verhältnismäßigkeit der Mittel gewahrt
werden. Idealziel ist es, den Angreifer kampfunfähig
zu machen, ohne einen nachhaltigen Schaden bei ihm
zu verursachen. |